Der politische Streit um den schwachen Euro geht weiter: Schuld am Absturz
der Gemeinschaftswährung seien vor allem die Strukturprobleme der großen
EU-Länder Deutschland, Frankreich und Italien, erklärte der
wirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Rainer Brüderle,
am Sonntag. Die drei Staaten müssten daher schnell einen verbindlichen
Aktionsplan zur Rettung des Euro aufstellen. Als Ziele nannte er die
Flexibilisierung der Arbeitsmärkte, Reformen der Sozialversicherungen und die
Senkung der Staatsquote auf unter 40 Prozent.
Kleine EU-Staaten wie Irland und die Niederlande treffe keine Schuld für
die Krise. Der von der CDU geforderte Währungsgipfel sei daher überflüssig,
sagte Brüderle. Nur mit einer Festschreibung der drei Ziele innerhalb eines
straffen Zeitfensters könne das Vertrauen der internationalen Finanz- und
Devisenmärkte in den Euro zurückgewonnen werden. Der FDP-Politiker forderte
zudem, dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank, Wim Duisenberg, den
Rücken zu stärken, weil diesen am Euro-Verfall keine Schuld treffe. Die
geplante Integration der «Weichwährung» griechische Drachme ist aus Sicht
Brüderles ein «unglückliches Signal für die Märkte».
Der frühere Bundesfinanzminister Theo Waigel verteidigte den Euro trotz
seines schwachen Kurses. «Hätten wir den Euro nicht, kämen heute ein paar
europäische Währungen unter Druck und müssten abgewertet werden», sagte
der CSU-Politiker dem Nachrichtenmagazin «Focus». Leidtragende wäre mit
Sicherheit die Mark. Die letzte Aufwertung 1995 habe Deutschland 500.000
Arbeitsplätze gekostet. Zugleich nahmen Waigel und der Chefvolkswirt der
Deutschen Bundesbank, Hermann Remsperger, die Europäische Zentralbank in
Schutz.
Die EZB trage keine Schuld am gegenwärtigen Kursverfall, sagte Waigel.
Ihre Aufgabe sei es, den Innenwert der Währung stabil zu halten. «Das tut
sie mit Erfolg.» Der Außenwert das Euros aber sei Sache der Politik. Die
Bundesregierung könne viel für den Euro tun, «wenn sie endlich die
Steuerreform verabschieden und den Arbeitsmarkt deregulieren würde». Wenn
Frankreich und Italien ähnlich agierten, dann wäre die Trendwende beim
Eurokurs ab Mitte des Jahres zu schaffen.
Remsperger sagte der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung», die Schwäche der
Gemeinschaftswährung liege nicht an einer verfehlten Strategie der EZB. «Die
Geldpolitik allein soll und kann den Wechselkurs nicht richten, aber sie wird
auch künftig jenen Deckungsbeitrag leisten, der auf sie entfällt.» Dabei
stehe das unbeirrbare Festhalten an der Sicherung der inneren Stabilität der
Währung im Zentrum. Der Euro hatte in der vergangenen Woche im Verhältnis
zum Dollar erstmals die psychologisch wichtige Marke von 90 Cent
unterschritten.
AURECON
VERMÖGENSBERATUNGSGESELLSCHAFT MBH
Firmensitz Gauting - Handelsregister München
HRB 40415 - Geschäftsführer: Peter Odendahl
Gründungsjahr: 1968
Zurück zum Inhaltsverzeichnis: Risiken aus dem
Euro
Zurück zu Elementen der Finanzplanung
Zurück zum Dienstleistungsprogramm
Zurück zur Startseite