15.09.2000
Der Kursverfall des Euro zum Dollar erweist sich zunehmend als Belastung für US-Firmen, die Geschäfte in Europa machen. Je tiefer die europäische Währung im Vergleich zur US-Devise sinkt, desto stärker schmelzen den Konzernen die Profite, die Absatzmärkte und der Kurs ihrer Aktien weg. Der Schaden für die gesamte US-Wirtschaft dürfte sich jedoch in Grenzen halten. "Wenn man alles in Betracht zieht, macht es wenig Unterschied", ist der Ökonom Delos Smith vom privaten Konjunkturinstitut Conference Board überzeugt.
Zu den Opfern der Euro-Schwäche gehört der Zahnpasta- und Haushaltsmittelhersteller Colgate-Palmolive , der ein Fünftel seines Umsatzes in Europa realisiert. Die Aktie des Konzerns verlor am Donnerstag 14 Prozent, nachdem ein Analyst vor den Folgen des Kursverfalls der europäischen Währung für die Umsatzzahlen des Unternehmens gewarnt hatte. Auch die Aktie von McDonald's geriet ins Trudeln und fiel am Donnerstag auf ein neues Zwei-Jahres-Tief: Die Schnellimbisskette musste einräumen, dass der Absturz von Euro und Pfund ihre Gewinne deutlicher beeinträchtigen würde als bisher befürchtet.
Der Effekt der Wechselkursentwicklung auf die US-Exportfirmen ist leicht nachzuvollziehen. Wollen die Unternehmen ihre Gewinne aus Europa nach Hause in die USA holen, dann müssen sie Euro gegen Dollar tauschen. Anfang des Jahres herrschte zwischen den beiden Währungen noch ein Kurs von etwa 1:1. Inzwischen bekommen die US-Firmen für jeden verdienten Euro nur noch rund 86 Cent. Ein Schutz gegen derartige Schwankungen ist teuer. Zudem erwischte das Ausmaß des Kursverfalls der EU-Währung die Finanzchefs offenkundig auf dem falschen Fuß.
Die Liste der Unternehmen, die unter diesen Umständen den Kürzeren ziehen, liest sich wie der Gotha der US-Wirtschaft. Der Chemie-Konzern DuPont , der Limonadenhersteller Coca-Cola , die Industriegruppe Honeywell und der Ketchup-Fabrikant Heinz - sie alle mussten bereits Einbußen hinnehmen. Der Computerhersteller IBM hatte im dritten Quartal nach Angaben von Goldman Sachs statt eines Gewinnwachstums von 10,3 Prozent nur noch 6,7 Prozent zu erwarten - und diese Zahlen beruhten auf einem konstanten Wechselkurs.
Gelitten hat auch die Wettbewerbsfähigkeit der US-Exporteure: Ihre Produkte werden in Europa immer teurer, wie der Chefökonom der Deutschen Bank in New York, Peter Hooper, zu Bedenken gibt. Das Wachstum der US-Exporte nach Europa werde sich womöglich verlangsamen. Dies könne jedoch von anderen Märkten aufgefangen werden, zum Beispiel Japan, dessen Währung gestiegen ist. Die hohen Ölpreise dürften seiner Einschätzung nach weit größere Auswirkungen auf die US-Wirtschaft haben als der Euro-Kurs.
Einen Nebeneffekt könnte die Euro-Schwäche indes für einige europäische Firmen zeitigen: Der niedrige Kurs macht sie zum billigen Übernahme-Objekt für einen Käufer in den USA. In der Vergangenheit hätten derart große Kursschwankungen durchaus solche Auswirkungen gehabt, meint der Ökonom der Deutschen Bank. (Reuters)
AURECON
VERMÖGENSBERATUNGSGESELLSCHAFT MBH
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Gründungsjahr: 1968
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