Euro fällt auf Rekordtief zum Dollar

16.09.2000

Der Euro hat am Freitag nach Äußerungen eines amerikanischen Notenbankers weiter nachgegeben und einen neuen historischen Tiefststand zum Dollar erreicht. In den USA schloss die europäische Einheitswährung mit 0,8530/35 Dollar, nachdem der Euro zwischenzeitlich sogar auf 0,8526 Dollar abgesackt war. Händler machten Äußerungen des Präsident der US-Notenbank von Richmond, Alfred Broaddus, für den weiteren Kursverfall verantwortlich. Dieser hatte angesichts der Euroschwäche Zweifel über die langfristige Lebensfähigkeit der europäischen Einheitswährung geäußert. Die jüngsten Kursrückgänge würden "Fragen über die Lebensfähigkeit und den langfristigen Erfolg des Euro aufwerfen", sagte Broaddus.

Im Referenzverfahren Öffentlicher Banken wurde der Euro am Freitagmittag mit 0,8633 Dollar festgestellt, nach 0,8690 Dollar am Donnerstag. In den USA hatte der Euro mit 0,8610/15 Dollar eröffnet, nach einem Schlusskurs von 0,8647/51 am Vortag. Zum japanischen Yen notierte der Dollar zuletzt mit 107,08/18 Yen, nach einem Eröffnungskurs von 107,60/70 Yen und einem Schlusskurs am Donnerstag von 107,61/69 Yen.

Nachdem der Euro am Vormittag ein Hoch bei 0,8699 Dollar erreicht hatte, bröckelte die Währung im europäischen Handel bereits deutlich unter 86 Cent ab. Händler nannten den Abbau von spekulativen Euro-Positionen als Grund für den neuerlichen Kursrutsch. Das Durchbrechen der Marke von 86 Cent habe dem Abwärtstrend weiteren Schub verschafft. Belastet hätten den Euro außerdem Äußerungen von EZB-Direktoriumsmitglied Sirkka Hämäläinen am Morgen. Diese hatte gesagt, es könne noch lange dauern, bis der Euro-Kurs wieder steige. Dagegen drückte der unerwartete Rückgang der US-Verbraucherpreise im August den Kurs des Euro gegen den Dollar nicht weiter. Auch die Intervention der Dänischen Notenbank, die am Freitag dänische Kronen gegen Euro gekauft hatte, wirkte sich nach Händlerangaben nicht in nennenswertem Umfang auf den Euro-Kurs aus.

Hämäläinen hatte am Freitag auf einer Konferenz in Kopenhagen gesagt, der Kurs der europäische Gemeinschaftswährung werde zulegen, es sei aber schwer zu sagen, wann dies geschehen werde. Es könnte noch lange dauern, sagte Hämäläinen weiter. Zugleich bekräftigte das Direktoriumsmitglied, dass die EZB mit der gegenwärtigen Wechselkursentwicklung nicht zufrieden sei. Der Euro-Kurs spiegele nicht die wirtschaftliche Stärke der Euro-Zone wieder. Zur Wirtschaftsentwicklung sagte sie, es gebe keinen Grund anzunehmen, dass die Wirtschaft in der Euro-Zone mittelfristig langsamer wachsen werde als in den USA.

In den Vereinigten Staaten wurden am Freitagnachmittag die Verbraucherpreisdaten für August bekannt gegeben. Entgegen der Erwartung von Volkswirten gingen sie leicht um 0,1 Prozent zurück. In der um Nahrungsmittel und Energie bereinigten Kernrate stiegen die Preise um 0,2 Prozent. Von Reuters befragte Volkswirte hatten mit einem Anstieg der Preise um 0,2 Prozent insgesamt und in der Kernrate gerechnet. Der Dollar konnte von den Daten jedoch nicht profitieren. Der Euro löste sich in der Folge etwas von seinem Tief gegen die US-Devise und stabilisierte sich im weiteren Verlauf auf einem Niveau um 0,8630 Dollar. Im Referenzkursverfahren Öffentlicher Banken wurde für den Euro ein Kurs von 0,8633 nach 0,8690 Dollar am Vortag festgestellt. Der Dollar kostete damit 2,2655 (2,2507) DM.

Das Abbröckeln des Euro von seinen Tageshochs gegen den Dollar im europäischen Geschäft hatten Händler unter anderem auch mit dem Verkauf strategischer Positionen begründet. Investoren hätten am Morgen Euro- Positionen aufgebaut und diese später wieder abgestoßen. Händlern zufolge waren diese Positionen aufgebaut worden, nachdem die EZB bekräftigt hatte, ihre am Donnerstag begonnenen Verkäufe von Zinseinnahmen gegen Euro würden sich über einige Tage erstrecken. "Es sollte nicht überraschen, wenn wir auch heute an den Devisenmärkten aktiv sind", hatte ein EZB-Sprecher am Freitagvormittag der Nachrichtenagentur Reuters gesagt. Nachdem der Kurs der Gemeinschaftswährung im Verlauf aber wieder nachgegeben habe, seien auch die aufgebauten Euro-Positionen wieder aufgegeben worden. Händlern zufolge zweifeln die Akteure an der Wirksamkeit des von der EZB angekündigten Einsatzes von umgerechnet 2,5 Milliarden Euro an Zinserträgen zum Erwerb von Euro.

Die Reaktion des Marktes auf die Kronen-Käufe der dänischen Notenbank gegen Euro nannten Händler undramatisch. Die Zentralbank habe bei einem Kurs von 7,4675 Kronen je Euro interveniert und ihre eigene Währung gekauft, sagten Händler. Das war der niedrigste Kurs der Krone zum Euro seit dem Start der Gemeinschaftswährung am 1. Januar 1999. Die dänische Währung bleibt in ihrem im Wechselkursmechanismus festgelegten Fluktuationsband zum Euro von plus/minus 2,25 Prozent. Analysten erklärten, die Schwäche der Krone hänge mit dem am 28. September geplanten Referendum zum Beitritt Dänemarks in die Euro-Zone zusammen.

Am Montag werde die EZB vermutlich mit ihren Devisenverkäufen fortfahren, sagte eine Münchener Händlerin. Dies werde dem Euro zum Wochenanfang vermutlich wieder Auftrieb verschaffen.

Zur japanischen Währung notierte der Euro am Abend in New York knapp unter 93 Yen. Der Referenzkurs zum Yen wurde mit 92,95 (93,15) Yen festgestellt.

 

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