Skepsis der Märkte über die Auswirkungen der überraschenden Zinserhöhung in der Euro- Zone haben den Euro am Donnerstagnachmittag deutlich geschwächt. Nachdem die europäische Gemeinschaftswährung in Reaktion auf den Beschluss der Europäischen Zentralbank (EZB) kurzzeitig einen halben US-Cent auf 87,87 US-Cents gewonnen hatte, rutschte sie danach erstmals seit der gemeinsamen Notenbank- Intervention zugunsten des Euro am 22. September unter die Marke von 87 Cents. Händler erklärten die anfänglichen Kursgewinne mit einem "Überraschungseffekt". Später hätten jedoch Befürchtungen über negative konjunkturelle Auswirkungen der Zinsanhebung den Kursrückgang ausgelöst.
Der Markt halte nun weitere Notenbank-Interventionen für möglich und teste die Schmerzgrenze der EZB. Gegen 17.45 Uhr MESZ notierte der Euro bei 0,8693/95 Dollar, knapp einen Cent unter seinem von der EZB am Nachmittag festgestellten Referenzkurs von 0,8786 Dollar. Der Kurs lag damit aber noch deutlich über dem am 20. September erreichten Rekordtief von 0,8440 Dollar.
Die EZB hatte zuvor den Leitzins in der Euro-Zone um 25 Basispunkte auf 4,75 erhöht. Volkswirte hatten zwar in absehbarer Zeit mit einer weiteren Zinserhöhung gerechnet, viele waren jedoch vom Zeitpunkt des Zinsschrittes überrascht. Obwohl EZB-Präsident Wim Duisenberg betont hatte, die Zinsanhebung habe nichts mit der Intervention zu tun, werteten viele Analysten den Schritt der EZB als Versuch, die kurssteigernde Wirkung der Invervention zu verstärken. Die EZB wolle deutlich machen, wie ernst ihnen die Intervention ist und dass sie den Euro stützen wolle, sagte Sonja Hellemann, Devisenstrategin bei Dresdner Kleinwort Benson in London.
Händler und Volkswirte waren jedoch skeptisch, ob dieser Effekt anhalten werde und erwarteten keinen nachhaltigen Kursanstieg des Euro. "Vergangene Zinserhöhungen haben dem Euro auch nicht geholfen", sagte Ulrich Wortberg, Währungsanalyst bei der DG Bank in Frankfurt. Wortberg schloss daher einen Kursverlust der Gemeinschaftswährung in den nächsten Tagen bis auf 86 US-Cents nicht aus. Duisenberg habe die Märkte nicht davon überzeugen können, dass ein Zinsschritt zum jetzigen Zeitpunkt sinnvoll gewesen sei. "Das hat den Euro nur noch stärker unter Druck gesetzt", sagte Wortberg.
Eine Zinsanhebung vor dem derzeitigen wirtschaftlichen Hintergrund könne der Konjunktur in der Euro-Zone und damit auch dem Euro schaden, da der Aufschwung bereits seinen Höhepunkt erreicht habe, hieß es. Jüngste Daten aus der Euro-Zone wie der viel beachtete Ifo-Geschäftsklimaindex und der Reuters-Einkaufsmanager-Index hätten gezeigt, dass sich das Wachstum verlangsame.
Analysten schlossen eine weitere Intervention der Notenbanken nach wie vor nicht aus, sollte der Euro weiter fallen. Äußerungen von Duisenberg, die G7-Staaten inklusive der USA könnten erneut kooperieren, falls weitere Interventionen erforderlich seien, hätten diese Vermutung bekräftigt. "Ich glaube sie werden sehr bald wieder intervenieren," sagte Hellemann. "Der Markt ist noch immer negativ zum Euro eingestellt und will die Zentralbanken herausfordern, um die nächste Grenze für Interventionen herauszufinden", sagte Ben Strauss von der Bank Julius Bär in New York.
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