07. Oktober 2000
Der Euro hat sich am Freitag nach einer leichten Erholung am Vormittag im Verlauf des Tages deutlich abgeschwächt und ist unter die Marke von 87 US-Cents gefallen. Nachdem die stärker als erwarteten deutschen Auftragseingänge dem Euro Händlern zufolge zunächst Auftrieb verliehen hätten, setzten die am Nachmittag veröffentlichten US-Arbeitmarktdaten die europäische Gemeinschaftswährung erneut unter Druck. Vermutungen der Marktteilnehmer, die Europäische Zentralbank (EZB) werde möglicherweise erneut am Devisenmarkt zu Gunsten des Euro eingreifen, hätten die Kursverluste unterdessen begrenzt, sagten Händler.
Gegen 23.45 Uhr MESZ notierte die Gemeinschaftswährung bei 0,8692/9 Dollar. In den USA war sie bei 0,8684/88 Dollar aus dem Markt gegangen. Die EZB hatte den Referenzwert des Euro am Nachmittag mit 0,8703 Dollar festgestellt.
Die vom Bundesfinanzministerium am Vormittag veröffentlichten deutschen Auftragszahlen hatten den Markt Händlern zufolge positiv überrascht und den Euro gestützt. Allerdings habe wohl der schwache Euro den Auftragseingang angekurbelt. Wie das Ministerium in Bonn mitteilte, erhöhte sich der Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe um 1,7 Prozent zum Vormonat nach revidiert minus 0,1 Prozent im Juli. Ausschlaggebend für den Anstieg sei mit plus 2,8 (1,9) Prozent weiterhin die Nachfrage aus dem Ausland gewesen.
Die im frühen US-Handel veröffentlichten US-Arbeitsmarktdaten hatten am Nachmittag den Euro Händlern zufolge jedoch wieder stark belastet und auf ein vorläufiges Tagestief von 0,8672 Dollar gedrückt. Das US- Arbeitsministerium hatte mitgeteilt, die Arbeitslosenquote in den USA sei im September mit 3,9 Prozent so niedrig gewesen wie seit 30 Jahren nicht mehr. Von Reuters befragte Analysten hatten mit einer unveränderten Quote von 4,1 Prozent gerechnet. Die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft stieg um 252.000 nach einem Rückgang von 91.000 im August. Volkswirte hatten nur einen Stellenzuwachs von 232.000 vorausgesagt.
An den Märkten lösten die Arbeitsmarktdaten Zweifel über eine mögliche Verlangsamung des US- Wirtschaftswachstums aus. Analysten befürchteten, Anzeichen für eine weiterhin starke Konjunktur könne die US- Notenbank Federal Reserve (Fed) erneut zu Zinsanhebungen bewegen. "Die Daten sind sehr ermutigend für den Dollar, da wir eine starke Konjunktur haben, und die Lohnkomponente die Inflationsbefürchtungen dämpfen sollte," sagte Alan Ruskin von 4Cast Inc. in New York. "Für Investoren sind die USA nach wie vor der attraktivere Standort," sagte Kevin Logan, Chefvolkswirt bei der Dresdner Bank New York.
Nach Einschätzung von John Schein von Fortis U.S.A wird sich der Euro jedoch nur langsam wieder in Richtung seines Allzeittiefs von 0,8440 Dollar bewegen, auf das er am 20. September, zwei Tage vor der Devisenmarktintervention, gefallen war. "Vorerst sehen wir eine enge Spanne mit einer Abwärtstendez," sagte Schein.
Händlern zufolge würden die Kursverluste derzeit weiterhin von anhaltenden Spekulationen über erneute Notenbank- Interventionen zur Stützung der Währung begrenzt. Diese waren am Donnerstag durch Äußerungen von EZB-Chef Wim Duisenberg bekräftigt worden, wonach die EZB zu weiteren gemeinsamen Interventionen zur Stüztung des Euro bereit sei, wenn diese erforderlich würden. "Ich glaube, die Märkte sind der Meinung, dass sie (EZB) was tun müssen. Die Frage ist nur, werden sie intervenieren, auch wenn der Kurs nicht weiter absinkt, oder lassen sie den Kurs erst wieder auf 84-85 Cents fallen?" sagte Tod van Name, Devisenstratege bei Fuji Bank in New York.
Europäische Politiker und Notenbanker bezeichneten den Euro am Freitag unterdessen als weiterhin unterbewertet. Bundesfinanzminister Hans Eichel und Bundeskanzler Gerhard Schröder sagten voraus, der Wechselkurse des Euro zum Dollar würden sich bis Ende des Jahres einander annähern. Nach Einschätzung von Landeszentralbank-Chef Hans-Helmut Kotz stimmt das gegenwärtige Niveau des Euro nicht mit dem mittelfristigen Potenzial der Währung überein.
AURECON
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