Trotz anhaltender Euro-Talfahrt und heftiger Kritik an seiner Person hat EZB-Präsident Wim Duisenberg am Donnerstag Selbstbewusstsein demonstriert. Der oberste Euro-Währungshüter bescheinigte dem Zentralbankrat und sich selbst gute Arbeit. Der Euro sei unterbewertet und die Korrektur werde kommen, versicherte Duisenberg in Paris. Zuvor hatte der EZB-Rat die Zinsen erwartungsgemäß nicht erhöht. Der Euro hielt sich derweil weiter nur knapp über seinem historischen Tiefstand und wurde mit einem Referenzkurs von 0,8411 US-Dollar notiert.
Duisenberg sagte, die Wirtschaft im Euro-Raum stehe so gut da wie in den vergangenen zehn Jahren nicht. Auch die jüngste Preisentwicklung - die Inflationsrate stieg im September auf 2,8 Prozent nach 2,3 Prozent im August - ändere nichts an der Einschätzung, dass es eine «lange Periode robusten wirtschaftlichen Wachstums» gebe, sagte der EZB-Chef. Für 2000 sei ein Wachstum von mehr als drei Prozent zu erwarten. Das gelte auch für das kommende Jahr und vielleicht darüber hinaus.
Duisenberg äußerte sich auch zu der Welle von Kritik, die ihm in den letzten Tagen entgegengeschlagen war. Er habe zur Kenntnis genommen, dass er mit seinen jüngsten Bemerkungen kritische Kommentare hervorgerufen habe. In der Folge habe er viele Ratschläge bekommen. «Ich ziehe daraus meine Schlussfolgerungen.» Er werde sich zu dem Interview und möglichen Interventionen nicht mehr äußern. Duisenberg hatte eine Intervention für den Fall ausgeschlossen, dass der Euro durch die Krise im Nahen Osten erneut unter starken Druck geraten sollte.
Auf die Frage, ob er den Eindruck habe, dass er seine Arbeit gut mache, sagte er in Paris: «Ja.» Mit «Nein» beantwortete er hingegen die Frage, ob unter den Ratschlägen auch der gewesen sei, zurückzutreten. Vor seinen Ausführungen sprach auch der Chef der französischen Notenbank, Jean-Claude Trichet, Duisenberg im Namen der EZB das Vertrauen aus. Trichet, Mitglied im EZB-Rat, sagte: «Wir sind ein einiges Team und tragen gemeinsam Verantwortung.»
Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken, Manfred Weber, sagte im Deutschlandradio, die Interview-Äußerungen Duisenberg seien «keine Glanzleistung der Kommunikation» gewesen. Der EZB-Präsident habe nur auf eine hypothetische Frage reagiert. In der etwas labilen Situation auf den Märkten würde die Marktteilnehmer nach jedem Strohhalm greifen. «Dies zeigt, dass manchmal ein bisschen Zurückhaltung besser ist.»
Der Chefvolkswirt der HypoVereinsbank, Martin Hüfner, erwartet ohne weitere Stützungskäufe der EZB einen weiteren Kursverfall des Euros. Er sagte im Saarländischen Rundfunk, er rechne «ganz sicher» mit weiteren Interventionen zu Gunsten der europäischen Währung.
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