Euro im Sturzflug - Erste Zusammenfassung

25.10.2000

Gemeinschaftswährung erstmals unter 83 Cent - Märkte erwarten Signal für Intervention

Von AP-Korrespondentin Friederike Marx

Frankfurt/Main (AP) Der ungebremste Euroabsturz bringt die noch junge Währung bedrohlich nahe an die 80-Cent-Marke: Erstmals sackte der Euro am Mittwoch auf unter 83 Cent und notierte zeitweise bei 82,88 Cent. Über die Ursachen waren sich die Experten uneins. Analysten vermuteten, die Märkte seien unzufrieden, weil vom G-20 Treffen in Montreal bisher kein Signal für eine Intervention ausgegangen sei. US-Nobelpreisträger James Heckman begründete den Verfall des Eurokurses dagegen mit dem mangelnden Vertrauen in die politische Reformfähigkeit Europas.

Bis zum Nachmittag erholte sich der Euro noch einmal leicht. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs in Frankfurt am Main auf 0,8307 Dollar fest.

Nach Einschätzung von Bernhard Pfaff von der Commerzbank und Petra Köhler von der Dresdner Bank hatten die Märkte offenbar von dem Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs führender Industriestaaten und Schwellenländer - G-20 - ein Signal für ein Eingreifen den Notenbanken erwartet. Diese Annahme sei allerdings wenig realistisch gewesen, da Interventionen nicht angekündigt würden, sagte Köhler.

Nach Einschätzung von Michael Holstein von der DG Bank hat sich an den Fundamentaldaten für den Euroraum nichts geändert. Im aktuellen Kurs spiegele sich die Fortsetzung der Vertrauenskrise in die Gemeinschaftswährung und die Europäische Zentralbank wider. Da eine Intervention der großen Notenbanken der Welt angesichts der näher rückenden Präsidentschaftswahlen in den USA den Märkten immer unwahrscheinlicher erscheine, gehe der Euro weiter nach unten. Einen Tiefststand von 80 Cent wollte Holstein nicht ausschließen. Für das kommende Jahr erwartete er aber eine Erholung.

Heckman: Kurs drückt Sorge um Europas Reformtempo aus

Entscheidend für die weitere Entwicklung des Eurokurses dürften die aktuellen Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt in den USA sein, die Ende der Woche veröffentlicht werden sollen, sagten Köhler und Pfaff übereinstimmend.

Heckman sagte in einem vorab veröffentlichten Interview mit der «Bild»-Zeitung: «Der Kurs drückt sicher Sorge und Pessimismus über das Reformtempo Europas aus. Die globalisierte Wirtschaft bestraft jedes Land, dass sich nicht anpasst».

G-20-Finanzminister und Notenbank-Gouverneure tagten Dienstag und Mittwoch in Montreal, um die Herausforderungen der Globalisierung zu beraten. Dabei soll es auch darum gehen, wie die Welt vor Finanzkrisen besser geschützt werden kann. In diesem Zusammenhang sollen auch angemessene Wechselkurse, Auslandsverschuldung sowie die Einbeziehung des privaten Sektors in die Vorbeugung und Bewältigung von Krisen diskutiert werden.

Mitglieder sind die Finanzminister und Zentralbankchefs von 19 Industrie- und Schwellenländern: Argentinien, Australien, Brasilien, Kanada, China, Frankreich, Deutschland, Indien, Indonesien, Italien, Japan, Korea, Mexiko, Russland, Saudi Arabien, Südafrika, Türkei, Großbritannien, USA und EU. Außerdem sind Repräsentanten der Europäischen Zentralbank, der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds vertreten.

 

AURECON

VERMÖGENSBERATUNGSGESELLSCHAFT MBH

  Firmensitz Gauting - Handelsregister München  HRB 40415 - Geschäftsführer: Peter Odendahl 

Gründungsjahr: 1968

 

Zurück zum Inhaltsverzeichnis: Risiken aus dem Euro


Zurück zu Elementen der Finanzplanung


Zurück zum Dienstleistungsprogramm


Zurück zur Startseite