26.10.2000
Weitere Zusammenfassung (Neues von Duisenberg)
Mangels Interventionssignalen ist der Euro auf ein neues Rekordtief gefallen. Er bewegte sich am Donnerstag weiter auf die 80-Cents-Marke zu. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs für die Gemeinschaftswährung auf 0,8252 Dollar fest. Nach Analystenmeinung sind die Märkte unzufrieden, weil vom G-20-Finanzgipfel in Montreal kein Signal für Interventionen zur Stärkung des Euro ausgegangen sei. Der in die Kritik geratene EZB-Präsident Wim Duisenberg verteidigte die Zinspolitik seines Hauses. Zur momentanen Talfahrt des Euro äußerte er sich aber nicht.
Die schrittweisen Zinserhöhungen seit 1999 hätten dem Ziel der EZB gedient, für Preisstabilität in der Eurozone zu sorgen, sagte Duisenberg in Berlin auf dem Festakt zum 75-jährigen Bestehen der Internationalen Handelskammer Deutschlands. Um die Konjunktur zu beleben sei diese «restriktivere Geldpolitik» besser gewesen als sprunghafte Zinserhöhungen. Die derzeitigen Entwicklungen der Ölpreise und Wechselkurse könnten nicht kurzfristig mit Hilfe der Geldpolitik korrigiert werden.
Experten hatten jüngst die Zinspolitik der EZB kritisiert und Duisenberg vorgehalten, er habe bei den Zinserhöhungen vorschnell auf die höheren Rohölpreise reagiert. Der Bankpräsident hatte zudem mit Äußerungen über die Notwendigkeit von Interventionen im Zuge der Nahostkrise mit für den Fall des Euro gesorgt. In Berlin betonte er nun: «Nicht sprechen möchte ich über die sehr kurzfristigen Faktoren.»
Der französische Finanzminister Laurent Fabius sagte in Paris, der Wert des Euros könne um mindestens 20 Prozent steigen. Europa befinde sich in einer insgesamt positiven Situation. Auf den Zeitpunkt des Aufschwungs wollte er sich vor Parlamentariern aber nicht festlegen: «Ich kann Ihnen nicht sagen, ob das in zwei Wochen, in drei Wochen oder einem Monat sein wird.» Erneut weigerte sich Fabius, Fragen zur Zukunft von EZB-Präsident Wim Duisenberg zu beantworten.
Duisenberg meinte, die wirtschaftlichen Aussichten im Euroraum seien günstig. Als Grund nannte er die allgemein positive konjunkturelle Entwicklung und das seiner Meinung nach verbesserte strukturelle Umfeld in den Euroländern. Die Haushaltslage verbessere sich zunehmend. Die hohen Ölpreise könnten das Wachstum aber kurzfristig dämpfen.
Einer Umfrage unter 16.000 Menschen in den EU-Ländern zufolge sprachen sich schon im April und Mai 2000 nur 58 Prozent für die Einheitswährung aus. Vor der Einführung des Euros als Rechnungswährung im Januar 1999 waren es noch 64 Prozent gewesen. Die meisten Befürworter gab es in Italien, wo 81 Prozent hinter der Währung standen. Deutschland liegt mit 50 Prozent Zustimmung im hinteren Feld.
Der Bundesverband des deutschen Groß- und Außenhandels wies besorgt auf die Gefahr eines weiteren Absackens des Kurses hin. Präsident Michael Fuchs sagte, sollte die Nahostkrise weiter eskalieren und der Dollar als Fluchtwährung für die weltweiten Kapitalströme fungieren, «würde dies dem Euro nachhaltig einen schweren Schlag versetzen».
Der Chefvolkswirt der HypoVereinsbank, Martin Hüfner, sagte der Münchner «Abendzeitung», solange die EZB nichts tue, «gibt es nur den Weg nach unten». Sie habe ihr Versprechen vom September, den Euro nicht unter 83 Cent fallen zu lassen, nicht gehalten.
AURECON-Anmerkung: Die Nachricht, daß in Deutschland die Zustimmung zum Euro mit 50 % anzusetzen sei, halten wir für eine schlichte Falschmeldung. Die Zähler (einige > 70.000 Stimmabgaben) in diversen Chats u.a. auch bei den politischen Parteien ergaben nur noch eine Zustimmung in Höhe von durchschnittlich 24 % !!!
AURECON
VERMÖGENSBERATUNGSGESELLSCHAFT MBH
Firmensitz Gauting - Handelsregister München HRB 40415 - Geschäftsführer: Peter Odendahl
Gründungsjahr: 1968
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