EZB-Stützungskäufe für den Euro in der Kritik
11.11.2000
Die jüngsten Interventionen der Europäischen Zentralbank (EZB) sind bei vielen Währungsexperten auf Ablehnung gestoßen. Die vier Stützungskäufe innerhalb von nur einer Woche wurden als relativ uneffektiv, verfrüht beziehungsweise zu gering eingestuft. Bemängelt wurde auch, dass die Eingriffe den Kursverfall lediglich stoppten, aber keine Trendwende erreicht hätten. Die EZB hatte den Referenzkurs am Freitag auf 0,8673 Dollar nach 0,8531 Dollar am Vortag festgelegt.
Bernhard Pfaff von der Commerzbank sagte der «Welt am Sonntag», die EZB hätte «besser mal den Wahlausgang in den USA abgewartet», bevor sie interveniert. Als Grund sagte Pfaff, es nütze dem Euro, wenn Al Gore gewinne. Falls George W. Bush siege, gerate der Euro dagegen unter Druck. Die Stützungskäufe verpufften dann.
Der Chefvolkswirt der DGZ-DekaBank, Michael Hüther, bezeichnete die Alleingänge der EZB als «ziemlich uneffektiv». Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Norbert Walter sprach den Euro-Währungshüter in der «Welt am Sonntag» zwar eine «kluge Haltung und stoische Ruhe» zu. Er sagte aber auch, dass mit der Strategie der kleinen Interventionen «die Währungsreserven in ein bis zwei Jahren verfrühstückt werden könnten».
Der Frankfurter Euro-Kritiker Professor Wilhlem Hankel wertete die EZB-Eingriffe in der selben Zeitung sogar als «Bankrotterklärung» der bisherigen Strategie. Das einzige, was dem Euro jetzt noch auf die Beine helfe, sei «eine massive Zinserhöhung», forderte Hankel.
Der Präsident des Münchner ifo-Institutes, Hans-Werner Sinn, sagte dem Nachrichtenmagazin «Focus», die Ursache des schwachen Euros liege in den hohen D-Mark-Beständen außerhalb Europas. Im Ausland, vor allem in Osteuropa, seien zwischen 60 und 80 Milliarden Mark in Umlauf. Dies entspreche einem Viertel der gesamten deutschen Bargeldmenge. «Die Ausländer wissen zwar, dass die Mark abgeschafft und im Jahr 2002 wertlos wird. Sie wissen aber nicht genau, zu welchem Kurs und wie sie ihre Mark umtauschen können», sagte Sinn.
Diese Unsicherheit führe dazu, dass die D-Mark jetzt in Währungen getauscht werde, die auch nach 2002 noch existierten - also in Dollar oder Pfund. Der EZB bleibe nichts anderes übrig, als die zurückdrängenden Mark-Bestände wieder aufzukaufen. «Sonst kommt es zu einem weiteren Kursverfall», sagte Sinn. Dieser werde erst stoppen, wenn das neue Geld real im Umlauf sei.
Sinn lobte aber zugleich EZB-Präsident Wim Duisenberg. Dieser mache seine Arbeit gut. Vielleicht hätten die Währungshüter aber zu spät begriffen, dass sie entschlossen intervenieren müssen, um den Euro zu stabilisieren.
Dieter Vesper, Finanzexperte vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, sagte dagegen der «Neuen Osnabrücker Zeitung», die EZB-Interventionen und die Befürchtungen vieler Politiker und Wirtschaftsrepräsentanten wegen des schwachen Euros seien «eine unangemessene Dramatisierung». Auch Versuche, die Gemeinschaftswährung stark zu reden oder sie mit «Mini-Interventionen» zu stützen, «ändern grundsätzlich nichts».
Das sei zudem überflüssig, weil eine rasche Trendwende zu Gunsten des Euros durchaus möglich sei, da sich das US-Konjunkturklima abkühle. Dann trete das hohe amerikanische Leistungsbilanzdefizit in den Blickpunkt.
AURECON
VERMÖGENSBERATUNGSGESELLSCHAFT MBH
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