21.11.2000
Die erneute Eintrübung des deutschen Geschäftsklimas hat den Euro am Dienstag belastet. Nach der Veröffentlichung des schwächer als erwartet ausgefallenen Ifo-Indexes gab der Euro rund 0,2 Cents auf 85 Cents nach. Zuvor hatte sich die Gemeinschaftswährung wegen der Yen-Schwäche nach dem gescheiterten Misstrauensvotum gegen den japanischen Ministerpräsidenten Yoshiro Mori zunächst erholt und dabei ein vorläufiges Tageshoch von 0,8534 Dollar erreicht.
Wie das Münchner Ifo-Institut mitteilte, schwächte sich das Geschäftsklima in der westdeutschen Industrie nach Angaben des Münchener Ifo-Instituts im Oktober zum fünften Mal in Folge ab. Das Konjunkturbarometer fiel auf 97,2 Indexpunkte nach 98,0 im September. Von Reuters befragte Volkswirte hatten mit einem unveränderten Indexstand gerechnet. Seit seinem im Mai erreichten Neun-Jahres-Hoch von 102 war der Index sukzessive zurückgegangen. Volkswirte sehen darin ein Signal dafür, dass die Konjunktur in Deutschland ihren Höhepunkt überschritten hat und sich nun leicht abkühlt. Hauptgrund für den Rückgang des Geschäftsklimas sind nach ihrer Einschätzung die Ölpreise, die vor allem wegen der knappen Heizöl-Vorräte in den USA bei rund 33 Dollar je Barrel Rohöl liegen.
Die japanische Währung zeigte sich wegen der politischen Krise in Japan weiter angeschlagen. Der Dollar stieg auf über 110 Yen nach 109,93 Yen am Vorabend in New York. Der Yen stand stark unter Druck, da nach dem gescheiterten Misstrauensvotum gegen Regierungschef Mori Analysten zufolge weiterhin große politische Unsicherheit herrscht. Mori wird unter anderem wegen seiner Wirtschaftspolitik scharf angegriffen. Die Finanzmärkte befürchten, dass die dringend notwendigen Strukturreformen in Japan nun hinausgeschoben werden. Händler schlossen nicht aus, dass Mori dennoch von seinem Amt zurücktreten könnte, da sein politischer Rückhalt schwinde.
Darüber hinaus warten die Finanzmärkte gespannt auf die Entscheidung des obersten Gerichtes in Florida, ob die Handauszählungen in dem wahlentscheidenden Bundesstaat noch berücksichtigt werden sollen. Der Republikaner George W. Bush liegt derzeit mit rund 930 Stimmen vor seinem demokratischen Gegenkandidaten Al Gore. Sollte Bush die Wahl gewinnen, erwarten Devisenhändler weitere Kursrückgänge beim Euro. Devisenmarktinterventionen unter Beteiligung der USA würden dann unwahrscheinlicher, hieß es.
AURECON
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