Euro fällt zeitweise unter 84 Cents

23.11.2000

Der Euro ist am Donnerstag trotz anhaltender Spekulationen über erneute Stützungskäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) zum ersten Mal in diesem Monat zeitweise unter 84 US-Cents gefallen. Damit markierte die europäische Gemeinschaftswährung am vierten Tag in Folge ein neues Drei-Wochen-Tief. Sein vorläufiges Tagestief erreichte der Euro bei 0,8381 US-Dollar, nachdem er sich am Nachmittag in einer engen Spanne zwischen 0,8420 und 0,8450 US-Dollar bewegt hatte. Äußerungen von EZB-Präsidenten Wim Duisenberg zur Strategie der EZB hinsichtlich der Veröffentlichung von Konjunkturprognosen hatten nach Händlerangaben kaum Einfluss auf den Euro- Kurs. Wegen Feiertagen in den USA und Japan waren die Umsätze auf den Devisenmärkten nach Händlerangaben unterdurchschnittlich.

Die EZB hatte den Referenzkurs am Mittag in Frankfurt mit 0,8427 (Vortag: 0,8429) US-Dollar angegeben. Damit kostete ein US-Dollar umgerechnet etwa 2,32 DM. Gegen 19.00 Uhr MEZ notierte der Euro mit Kursen um 0,84 US-Dollar. Händler hatten im Tagesverlauf über erneute Stützungskäufe der EZB spekuliert, da die Gelegenheit auf Grund des US-Feiertags günstig sei. Bei den im gesamten Tagesverlauf geringen Umsätzen könne es der Notenbank gelingen, den Kurs deutlich in die Höhe zu treiben, hieß es am Markt. Weil ein Eingriff der EZB bis zum späten Nachmittag jedoch ausgeblieben sei, hätten viele Händler die Währung schließlich verkauft, hieß es am Markt. Daraufhin sei der Euro zeitweilig unter die Schwelle von 84 Cents gefallen.

Ein Außenwert des Euro von 0,85 US-Dollar wird von Analysten immer wieder als "Toleranzgrenze" der EZB genannt, bei deren Unterschreitung eine Notenbank-Intervention sehr wahrscheinlich werde. EZB-Präsident Duisenberg bekräftigte am Donnerstag bei seiner Rede vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments jedoch, dass die EZB mit ihren Interventionen keinen bestimmtes Wechselkursziel verfolge. Am Abend bekräftigte Duisenberg in Paris, Interventionen seien ein Instrument der Notenbank. Analysten sagten, nur die Furcht vor erneuten Stützungskäufen würden den Euro vor weiteren Kursverlusten bewahren, denn der Trend der Gemeinschaftswährung sei eindeutig weiter abwärts.

Weder neue Daten zur Inflationsentwicklung in den Bundesländern Bayern und Nordrhein-Westfalen noch Aussagen der Bundesbank in ihrem Monatsbericht über eine starke Konjunktur in der Euro-Zone hatten nach Händlerangaben einen merklichen Einfluss auf den Kurs der Gemeinschaftswährung

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