21.03.2001
Wachsende Zweifel an den günstigen Konjunkturprognosen für die Euro-Zone und die abwartende Haltung der Europäischen Zentralbank (EZB) haben nach Händlerangaben den Euro am Mittwoch belastet und unter der Marke von 0,90 Dollar schließen lassen. Der deutliche Rückgang des Ifo-Indexes verstärkte Händlern zufolge die Sorge vor einem wirtschaftlichen Abschwung in der Euro-Zone. Einige Analysten schlossen deshalb nicht mehr aus, dass der Euro kurzfristig bis auf Kurse um 0,85 Dollar fallen könnte. Zum Schluss notierte die Währung in New York mit 0,8958/62 Dollar nach 0,9092/96 Dollar am Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittag mit 0,8990 Dollar ermittelt.
Die US-Valuta kostete zuletzt 123,39/47 Yen verglichen mit dem Vortagsschluss von 122,23/33 Yen. Am Morgen hatte der Dollar zum Yen ein neues 22-Monatshoch von 123,90 Yen markiert.
Der Ifo-Geschäftsklimaindex West war im Februar deutlich stärker als erwartet auf 94,9 Punkte von 97,5 Punkten im Vormonat gefallen und hatte damit den niedrigsten Stand seit Juli 1999 erreicht. Volkswirte hatten nur mit einem Rückgang auf 96,7 Punkte gerechnet. Der deutliche Rückgang des Indexes, der die Geschäftseinschätzung der deutschen Industrie wiedergibt, signalisiert nach Einschätzung von Ifo-Chefprognostiker Gernot Nerb eine Konjunkturabschwächung in Deutschland. "Ich würde nicht von einer Rezession sprechen, aber das ist ein klares Zeichen dafür, dass der Abschwung begonnen hat... und noch ein paar Monate dauern könnte", sagte Nerb in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. Das Ifo-Institut werde wahrscheinlich seine Wachstumsprognose 2001 für Deutschland von bislang 2,4 Prozent nach unten revidieren.
Der Ifo-Volkswirt hält ebenso wie einige Analysten jetzt den Zeitpunkt für eine Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) für gekommen. "Wenn die Bundesbank nun handeln könnte, ....würde sie es jetzt wohl als angemessen betrachten, die Zinsen schnell zu senken", sagte er. "Nach diesen schwachen Zahlen ist eine EZB- Zinssenkung noch in diesem Monat, spätestens aber im April wahrscheinlich", sagte Jörg Krämer von Invesco Asset Management.
Alex Beuzelin, Analyst beim Haus Ruesch International fügte hinzu: "Alle Indikatoren scheinen auf die Tatsache hinzuweisen, dass sich die europäischen Volkswirtschaften abschwächen und das hartnäckige Festhalten der EZB an ihrem neutralen Zinsausblick beginnt nun wirklich die Stimmung für den Euro zu untergraben". Claudio Piron von Standard Chartered in London sieht in der Haltung der EZB ebenfalls wachsende Gefahren für den Euro. "Es besteht das Risiko einer realen Wachstumsverlangsamung im zweiten Quartal in der Euro-Zone bei einer gleichzeitigen Erholung in den USA. Kurzfristig besteht für den Euro die Gefahr, auf 0,85 Dollar zu fallen".
Die Stimmung an den Devisenmärkten habe begonnen, sich zu drehen, sagten Händler. Das habe sich recht deutlich an der Reaktion des Dollar auf die über den Erwartungen ausgefallene Teuerung im Februar gezeigt. Die US- Währung habe die Zahlen einfach ignoriert. Analysten begründeten dies auch damit, dass am Markt generell die Einschätzung vorherrsche, die Inflation in den USA sei weiter unter Kontrolle. "Wir sehen in dem Bericht (zu den Verbraucherpreisen) nichts Besorgnis erregendes," sagte Paul Christopher von A.G. Edwards & Sons in St. Louis. Das Arbeitsministerium in Washington hatte mitgeteilt, die US-Verbraucherpreise seien im Februar gegenüber dem Vormonat saisonbereinigt um 0,3 nach 0,6 Prozent im Januar gestiegen. Von Reuters befragte Volkswirte hatten im Durchschnitt einen Anstieg der Verbraucherpreise um 0,2 Prozent vorausgesagt.
AURECON
VERMÖGENSBERATUNGSGESELLSCHAFT MBH
Firmensitz Gauting - Handelsregister München HRB 40415 - Geschäftsführer: Peter Odendahl
Gründungsjahr: 1968
Zurück zum Inhaltsverzeichnis: Risiken aus dem Euro
Zurück zu Elementen der Finanzplanung