Euro und Dollar sind noch keine Rivalen

US-Währung ist bisher die unangefochtene Nummer Eins - Nur wenige Finanz-Experten erwarten schon 2002 Trendwende

 Sonntag 23. Dezember 2001

«Einige kluge Amerikaner wussten schon lange, dass der Euro eine große Zukunft haben wird - deshalb nämlich waren sie gegen das neue Geld», ist sich Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt sicher. In der «Zeit» schreibt er, dass der Euro «in wenigen Jahren neben dem Dollar die andere Weltwährung sein» wird. Bis es soweit ist, sind die Finanz-Experten in den USA allerdings noch recht gelassen, denn der erwartete Wettbewerb um die Nummer-Eins-Position als Weltwährung blieb bisher zu Gunsten des mächtigen Dollars aus.

 

Seit drei Jahren ist der Euro auf den Devisenmärkten präsent. Die neue Währung, im Januar 1999 furios bei 1,18 Dollar gestartet, hat seitdem deutlich eingebüßt. Am Freitag vergangener Woche mussten gerade mal 0,8943 US-Cent für einen Euro gezahlt werden, zwischenzeitlich hatte die europäische Gemeinschaftswährung sogar noch ganz andere Tiefstände getestet.

 

Nicht einmal als die US-Wirtschaft auf Talfahrt ging, konnte der europäische Währungsneuling richtig zulegen. Selbst als die ohnehin schwächelnde US-Ökonomie am 11. September dieses Jahres von der Terrorwelle in New York und Washington erschüttert wurde, änderte sich daran kaum etwas. So sagt denn auch Mark Zandi, Chefvolkswirt von Economy.com: «Erwartungen, dass der Euro schon bald ein Rivale um den Rang der Nummer-Eins-Währung wird, haben sich nicht als richtig erwiesen.»

David Wyss, Chef-Volkswirt bei Standard & Poor's, hält nach dem 11. September das Thema Sicherheit - gerade auch für Investoren -für besonders wichtig. Und da spiele es eben eine Rolle, dass die USA nach wie vor die größte Wirtschaft mit den größten und liquidesten Finanzmärkten seien.

 

Strukturreformen in Europa angemahnt

Einig sind sich Finanzexperten diesseits und jenseits des großen Teiches, dass die immer wieder kritisierten Strukturprobleme in Europa eine zentrale Rolle für die aktuellen Kursverhältnisse spielen. Fed-Chef Alan Greenspan sagte jüngst, dass die Ungleichheit der beiden Währungen solange anhalten werde, bis in Europa die Arbeitsgesetze flexibler gestaltet würden.

 

Auch sein Kollege von der Europäischen Zentralbank, Wim Duisenberg, lässt keine Gelegenheit aus, Strukturreformen in Europa anzumahnen. Im monatlichen EZB-Bericht weist er unermüdlich darauf hin, dass die Regierungen im gemeinsamen Währungsraum ihre Reformanstrengungen fortsetzen beziehungsweise intensivieren müssten.

Europäisch selbstbewusst zeigt sich Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Norbert Walter. Auch er mahnt immer wieder Reformen an. Zugleich lautete Mitte Dezember seine Prognose, dass für einen Euro im kommenden Jahr durchaus 1,05 Dollar gezahlt werden könnten. Die immer wieder aufflammende Kritik an den Euro-Währungshütern, weist er zurück. «Die Kritik von Intellektuellen und den Märkten ist auf die mystische Überhöhung des amerikanischen Notenbankchefs Alan Greenspan zurückzuführen», meint der Volkswirt.

US-Analysten erwarten dagegen, dass der Euro im kommenden Jahr nur leicht gegenüber dem Dollar dazu gewinnen kann. Merrill-Lynch-Chefvolkswirt Bruce Steinberg etwa sieht den Euro Ende 2002 bei etwa 92 US-Cent.

 

Dass der Euro ein Potenzial nach oben hat, erwartet auch der ehemalige Bundesbank-Präsident Hans Tietmeyer. «Ich habe meine Zweifel, ob der Euro gegenwärtig an den internationalen Märkten schon richtig bewertet wird», sagte Tietmeyer, der als einer der Architekten der Gemeinschaftswährung gilt, der Zeitschrift «Super Illu» zufolge.

Der Dollar sei gegenüber dem Euro eine Zeit lang überbewertet worden, und werde dies möglicherweise immer noch. Tietmeyer rät zur Geduld: Das neue Geld sei «eine junge Währung, die ihre Reputation allmählich aufbauen» müsse.

 

AURECON

VERMÖGENSBERATUNGSGESELLSCHAFT MBH

  Firmensitz Gauting - Handelsregister München  HRB 40415 - Geschäftsführer: Peter Odendahl 

Gründungsjahr: 1968

 

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