Der "Teuro" zieht in München und den bayerischen Urlauberregionen eine breite Spur

Hoteliers und Gastwirte in Bayern stöhnen. Konnten sie doch immer, wenn in Deutschland die Urlauber gezählt wurden, stolz mit dem ersten Platz prahlen und sich über ausgebuchte Quartiere freuen. Der Bayern-Tourismus zu Bergen, Seen und Barockkirchen schien ein Selbstläufer zu sein. Doch jetzt gibt es einen Einbruch. Im Zeitraum Januar bis April dieses Jahres sank die Gästezahl um knapp sechs Prozent. Vor allem ausländische Besucher, allen voran die Japaner (26 Prozent weniger) und die US-Amerikaner (17 Prozent), machen einen Bogen um den Freistaat. Dass aber Preisaufschläge im Zug der Euro-Umstellung mit ein Grund für die Zurückhaltung sein könnten, lassen die einschlägigen Verbände nicht gelten. Im Gegenteil: die Branche locke derzeit sogar mit Nachlässen und familienfreundlichen Angeboten.

Mit der Übernachtung allein ist aber noch lange kein Urlaub bezahlt. Das wird spätestens allen klar, die demnächst das Münchner Oktoberfest besuchen. Wer auf der Wies'n feiern oder sich gar einen ordentlichen Rausch antrinken will, der musste schon immer tief in den Geldbeutel greifen. Aber in diesem Jahr wird er vom 21. September bis 6. Oktober auf der Theresienwiese noch stärker zur Kasse gebeten. Die Maß soll zwischen 6,30 und 6,80 Euro kosten. Das sind vier bis fünf Prozent mehr als im Vorjahr, als es den Liter noch für 11,70 bis 12,80 Mark gab.

Aber auch wenn nicht gerade Oktoberfest ist, für die Maß langen sie zünftig hin, die Bayern. In den gastronomischen Großbetrieben der Stadt sind Preise zwischen 5,10 und 6,60 Euro üblich, viele Biergärten verlangen sechs Euro und mehr. Vergangenes Jahr noch konnte man den ersten Durst für zehn bis elf Mark stillen. Wer dann noch etwas essen möchte, wie zum Beispiel vier Weißwürste beim Augustiner (9,40 Euro) oder ein Scheibe Leberkäse im Biergarten Oberschleißheim (ohne Semmel und Senf sechs Euro), hat die Urlaubskasse schnell geplündert.

Schlechte Beispiele, die Schule machten. Etwa beim Italiener: In der Trattoria-Bar Penelli in München kostete die Pizza Margherita in der Vor-Euro-Zeit 6,50 Mark. Jetzt verlangt der Wirt fünf Euro. Etwas bescheidener blieb er bei den Spaghetti: einst acht Mark, nun fünf Euro. Ähnliche Erfahrungen macht derjenige, der die teure Innenstadt meidet und sich außerhalb zu verköstigen versucht. Eine Hendl-Braterei in Unterhaching ließ sich im Vorjahr ein halbes Backhuhn mit 5,50 Mark bezahlen, inzwischen verkauft sie den Vogel für drei Euro.

Freilich sind auch rühmliche Ausnahmen zu nennen. Der Biergarten RSC Family Park am Hirschgarten in München ist preiswerter geworden. Dort gibt es die Maß für 3,50 Euro, das Kotelett mit Kartoffelsalat für 5,50 Euro und die Bratwurst mit Pommes für 2,80 Euro. Auch eine Runde auf dem Minigolfplatz kann sich eine Familie noch leisten (Erwachsene 2,50, Kinder zwei Euro).

Demgegenüber dürfen sich Autofahrer in ihrem (Vor-)Urteil bestätigt fühlen, die Melkkühe der Nation zu sein. Der Konzerttarif in der Tiefgarage der Münchner Philharmonie belief sich einst auf neun Mark, jetzt zahlt man fürs Parken während des Musikgenusses fünf Euro, also fast neun Prozent mehr. Wer sein Auto drei Tage am Münchner Flughafen stehen lässt, berappt 30 Euro. Auch öffentliche Toiletten sollte man in der Landeshauptstadt meiden, 1,10 Mark waren im Hauptbahnhof einst fällig, jetzt werden 1,10 Euro verlangt.

Apropos Austreten - in die schöne bayerische Voralpenlandschaft. Für die Landkarte Starnbergersee/Ammersee verlangt der Hugendubel am Marienplatz statt bisher 12,80 Mark nun 6,95 Euro. Das wären umgerechnet fast 13,60 Mark. Am Ammersee könnte man dann die Große Rundfahrt mit dem Schiff buchen. Kostet 13,50 Euro und dauert drei bis dreieinhalb Stunden. Das war auch schon günstiger, nämlich 24 Mark. Ähnliche Preiserhöhung am Starnberger See. Wer sich statt dessen in Laras Milchbar in Starnberg ein Eis gönnen möchte, der zahlt glatt den doppelten Preis des Vorjahres.

Bis ganz nach oben wird der Besucher vom "Teuro" verfolgt. Für die Seilbahn auf die Zugspitze (nur Bergfahrt) sind 24 Euro fällig, vergangenes Jahr kam er noch für 46 Mark auf den höchsten Berg Deutschlands. Die Karwendelbahn in Mittenwald verlangt für die einfache Fahrt nun 17 Euro statt bislang 21 Mark, wer rauf und runter will legt 27 Euro (vorher 34 Mark) hin. In Rottach-Egern bringt die Wallbergbahn die Ausflügler hoch über den Tegernsee, allerdings jetzt für acht Euro (vorher 13 Mark).

Und wer nur ein bisschen Spaß haben will, der merkt auch schnell, dass dieser teurer geworden ist. Die Betreiber der Sommerrodelbahn am Blomberg kassieren jetzt für Auffahrt und Runterrutschen 3,50 Euro für Erwachsene und drei Euro für Kinder. Das Vergnügen konnte man sich im vergangenen Jahr noch für sechs Mark (Kinder fünf Mark) machen.

AURECON

VERMÖGENSBERATUNGSGESELLSCHAFT MBH

  Firmensitz Gauting - Handelsregister München  HRB 40415 - Geschäftsführer: Peter Odendahl 

Gründungsjahr: 1968

 

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