Teurer Bruch
FAZ 27.11.2003 - Für diesen Triumph der Herren Schröder
und Eichel über Brüssel wird Deutschland noch zahlen, wenn die rot-grüne
Bundesregierung Geschichte ist. Die Rechnung wird nicht immer offen ausgewiesen
sein, doch wird sie an vielen Stellen präsentiert werden. Und sie wird, da
sollte sich niemand täuschen, hoch ausfallen.
Sichtbare Folgen der nächtlichen Preisgabe des Stabilitätspaktes
werden auf absehbare Zeit höhere Haushaltsdefizite sein, nicht nur in
Deutschland und Frankreich, sondern letztlich im gesamten Euro-Raum. Ohne
Deutschland als überzeugten Verteidiger der Stabilitätskultur werden es auch
die Finanzminister der Länder, die sich derzeit noch ernsthaft um ausgeglichene
Etats bemühen, ein ganzes Stück schwerer haben. In keinem Land der Welt hat
eine solide Finanzpolitik die Mehrheit von selbst auf ihrer Seite. Immer gibt es
eine starke politische Lobby, die verspricht, mit geborgtem Geld den Himmel auf
die Erde zu holen. Wähler für den schlanken Staat zu gewinnen ist ungleich mühsamer.
Dessen Früchte - dauerhaft niedrigere Steuern und Abgaben - sind erst zu
ernten, wenn der Staat seine Aufgaben so konsequent überprüft hat, dass er
seine Ausgaben vermindern kann. Dann aber sind die Voraussetzungen für Wachstum
besonders gut, weil privaten Investitionsentscheidungen breiter Raum bleibt.
Der ungenierte Bruch des Paktes durch Deutschland und
Frankreich verringert nun die Chancen auf höheres Wachstum und damit auf mehr
Arbeitsplätze und Wohlstand - für alle Bürger. Doch weiß die Politik, dass
die Höhe dieser mittelfristig vermutlich erheblichen Verluste kaum zu beziffern
ist, während die mit lockerem Geld kurzfristig erzielbaren konjunkturellen
Blendeffekte durchaus über die eine oder andere Wahl etwa 2005 in
Nordrhein-Westfalen, helfen könnten.Um seine Macht zu sichern, hat der
Bundeskanzler selbst die Mahnung der höchsten Währungshüter, den Pakt zu
respektieren, in den Wind geschlagen. Schröder wird daher auch nicht zögern,
politischen Druck auf die Europäische Zentralbank auszuüben, sollte sich diese
durch wachsende Defizite zur Anhebung der Zinsen veranlasst sehen, um die Währung
zu sichern. Wie es an Stabilitätswillen fehlt, ist über kurz oder lang die
Unabhängigkeit der Notenbank in Gefahr - und mit dieser der Geldwert.
Eine besonders enttäuschende Figur gibt Hans Eichel in diesem Drama ab. Ein ambitionierter Finanzminister allein kann gegen fehlende Sparsamkeit im Kabinett und flaue Konjunktur nichts ausrichten. Doch wäre er es seinem Ruf schuldig gewesen, sich mit aller Kraft dafür einzusetzen, dass die Bundesregierung die dann fälligen EU-Sanktionen akzeptiert. Statt dessen verteidigt Eichel die Schuldenpolitik, die zu beenden er versprach, als neue europäische Heilslehre. Das mag sein Amt retten, nicht seine Würde.
AURECON
VERMÖGENSBERATUNGSGESELLSCHAFT MBH
Firmensitz Gauting - Handelsregister München HRB 40415 - Geschäftsführer: Peter Odendahl
Gründungsjahr: 1968
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