Meinungen zu Zinsen und Kursen EUR-USD
21.12.1998
Vor unsicherem Prognosehorizont der Weltwirtschaft, startet der Euro Anfang 1999 in die
Wirtschafts- und Währungsunion (WWU). Eingetrübt werden die Aussichten durch Krisen in
den Schwellenländern Asiens, durch die Rezession in Japan sowie durch weitere
Ungewißheiten in Rußland und Lateinamerika. Zugleich findet der Regimewechsel auf die
Europäische Zentralbank (EBZ) und das Europäische System der Zentralbanken (ESZB) statt.
Mit der frühen Klärung des Zinshorizonts auf einen EZB-Konvergenzzins von 3,00 Prozent,
wie dies am 3. Dezember in konzertierter Aktion durch Senkung um 30 Basispunkte geschehen
ist, sind die Bankvolkswirte inzwischen einverstanden.
Unterschiedlich fallen aber weiter die Prognosen für den EZB-Refi im Jahresverlauf 1999
aus. Dies zeigt sich auch in einer Umfrage von vwd unter den drei Großbanken in
Frankfurt: Die Deutsche Bank Research hat zum Wochenende die Wachstumsprognosen für
Deutschland nochmal deutlich auf 1,6 Prozent (BIP) nach unten revidiert von zuletzt zwei
Prozent. Für das Euroland stehen die Prognosen noch bei knappen zwei Prozent
BIP-Wachstum. Hans-Jürgen Meltzer vom Team der Volkswirte unter Leitung von Prof. Norbert
Walter begründet diese Downrevision mit dem von 3,5 auf 2,2 Prozent herabgesetzten
erwarteten Anstieg der deutschen Exporte 1999.
Für das Jahr 2000 rechnet Deutsche Bank Research aber mit einem kräftigeren Wachstum von
2,5 Prozent. Angesichts der Wachstumsschwäche und bei unveränderter Ruhe an allen
Preisfronten überrascht auch nicht die Zinsprognose: Deutsche Bank Research erwartet von
der EZB bis Mitte 1999 eine weitere deutliche Refi-Zinssenkung auf 2,50 Prozent, sei es in
einem großen Schritt oder in zwei kleineren. Dr. Rolf Schneider von den Volkswirten der
Dresdner Bank unter Leitung von Dr. Klaus Friedrich sieht das anders: Die EZB fährt mit
dem Leitzins 3,00 Prozent unverändert das ganze Jahr 1999.
Grund dafür wäre, daß sich das BIP-Wachstum in Deutschland und im Euroland im nächsten
Jahr mit 2,5 und 2,6 Prozent robust zeigen wird, auch dank der Rohstoffpreisverbilligung
über den Import, was sich als 50 Mrd DEM "Konjunkturprogramm" erweisen kann.
Zwischen diesen beiden Prognosen - Deutsche Bank mit Skepsis und Dresdner Bank mit
Zuversicht - stehen die Volkswirte der Commerzbank: Christoph Weil rechnet für 1999/2000
mit einem realen Wirtschaftswachstum in Deutschland und im Euroland von 2,0/2,8 Prozent
und 2,2/2,6 Prozent.
Die EZB wird nach der Erwartung der Commerzbank in der Wachstumsdelle im ersten Halbjahr
1999 ihren Geldmarktleitzins auf 2,75 (3,00) Prozent senken, aber bis Ende 1999, mit
unterstellter Überwindung der Wachstumsdelle, wieder auf 3,00 Prozent anheben. Skeptisch
blicken Volkswirte der BayernVereinsbank unter Leitung von Martin Hüfner auf die
Wirtschaftsentwicklung 1999 mit entsprechenden Konsequenzen für die Geldpolitik: Weil
sich das BIP-Wachstum in Deutschland auf 1-1/2 bis zwei Prozent und im Euroland auf knapp
zwei Prozent abschwäche und die Inflation am Boden gedrückt bleibe, rechnet Hüfner mit
weiteren Zinslockerungen der EZB auf 2,50 Prozent 1999 schon bis Mitte 1999 und dann
geradeaus mit diesem Geldmarktleitzins bis Ende 1999.
Thomas Mayer, Chef-Volkswirt von Goldman Sachs in Frankfurt, hat in seiner Prognose
aktuell noch einen EZB-Geldmarktleitzins von 3,00 Prozent durchgehend für das ganze Jahr
1999 stehen, setzt aber schon ein Fragezeichen dahinter, weil die Konjunkturkräfte an der
Exportseite schwächer werden, aber niemand verläßlich Dauer und Tiefe der Abschwächung
erkennen kann. Gerhard Grebe von Bank Julius Bär Deutschland, sieht diese Schwäche schon
deutlich und eine Senkung des EZB-Refizinses auf 2,75 Prozent Ende des ersten Quartals
1999; dem schließt sich auch Joachim Fels von Morgan Stanley Dean Witter in London an.
Und wie startet und wohin geht der Euro-Wechselkurs zum US-Dollar ? Nach Martin Hüfner
steigt diese Kurs - aktuell rechnerisch bei 1,18 USD - schon bis Mitte 1999 auf 1,30 USD
und liegt auch Ende 1999 nach dieser Prognose so hoch. Die Frankfurter Großbanken sehen
den Euro nicht ganz so stark steigen im Außenwert zum Dollar: auf 1,20/1,22 USD meint
Deutsche Bank Research, auf 1,26/1,21 USD die Dresdner Bank und auf 1,24/1,26 USD die
Commerzbank. Der feste Euro-Außenwert wird den Zinssenkungsdruck auf die EZB sicher noch
verstärken, die Politiker werden dies mit Sicherheit tun.
AURECON
VERMÖGENSBERATUNGSGESELLSCHAFT MBH
Firmensitz Gauting - Handelsregister München HRB 40415 - Geschäftsführer: Peter Odendahl
Gründungsjahr: 1968
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