Unsicherheit über den politischen Rückhalt einer stabilitätsorientierten Geld- und Finanzpolitik
25.03.1999
Die zunehmende Unsicherheit über den politischen Rückhalt einer
stabilitätsorientierten Geld- und Finanzpolitik hat nach den Worten des Präsidenten der
Europäischen Zentralbank, Wim Duisenberg, möglicherweise zur jüngsten Schwäche des
Euro am Devisenmarkt beigetragen. Einen Hinweis auf eine Fehlentwicklung oder strukturelle
Schwäche der europäischen Währung sehe er jedoch nicht, sagte Duisenberg am Donnerstag
auf einer Konferenz in Paris seinem Redetext zufolge. Der jüngste Rückgang des
Euro-Kurses gegenüber dem US-Dollar sollte nicht zu sehr dramatisiert werden. Die
Entwicklung reflektiere vor allem die unerwartete Stärke der US-Wirtschaft.
Bisher gäbe es keine Anzeichen dafür, daß die Finanzmärkte an der Glaubwürdigkeit der
europäischen Geldpolitik zweifelten, sagte der EZB-Präsident weiter. Diese könne allerdings durch Zweifel an der Solidität der Finanzpolitik
der Euro-Länder unterminiert werden. "Die
finanzpolitische Konsolidierung war in der letzten Zeit eher enttäuschend," sagte
der EZB-Präsident. So sei die durchschnittliche Schuldenquote der Euro-Länder in
1998 nur auf 73,8 Prozent von 74,6 Prozent in 1997 zurückgegangen. "Wenn sich das
Wirtschaftswachstum nachhaltig verlangsamt, ist es durchaus
möglich, daß die Staatsdefizite schnell ein excessives Niveau erreichen",
sagte Duisenberg. Es sei deshalb wichtig, daß sich die Politiker für eine strukturelle
Verbesserung der Finanzsituation einsetzten.
Die Arbeitslosigkeit muß nach der Ansicht Duisenbergs auf nationaler Ebene bekämpft
werden. Das zeigten auch die Unterschiede in den Arbeitslosenquoten der einzelnen Länder
- von 2,8 Prozent in Luxemburg bis zu 17,8 Prozent in Spanien im Januar 1999. Um die
Arbeitslosigkeit nachhaltig zu bekämpfen, seien strukturelle
Reformen auf nationaler Ebene notwendig, nicht die
Ankurbelung der aggregierten Nachfrage in den Euro-Ländern.
Duisenberg bekräftigte, daß die EZB bei ihrer Geldpolitik weder implizite noch explizite
Wechselkursziele habe. Das kollidiere mit dem obersten Ziel der Geldpolitik, der Erhaltung
der Geldwertstabilität. "Wirkliche Fehlentwicklungen der Wechselkurse, auch wenn sie
schwierig zu erkennen sind, wären ein Grund zur Sorge für das Eurosystem", fügte
Duisenberg jedoch hinzu.
AURECON
VERMÖGENSBERATUNGSGESELLSCHAFT MBH
Firmensitz Gauting - Handelsregister München HRB 40415 - Geschäftsführer: Peter Odendahl
Gründungsjahr: 1968
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